logo st benedikt

1. Station: Jesus wird zum Tod verurteilt
Pilatus weiß um die Unschuld Jesu, und er weiß um seine eigene Schuld. Er
fürchtet eine Anklage beim Kaiser, er will jetzt keinen Ärger, kein Aufsehen,
er gibt Jesus preis, hat seinen Vorteil im Blick, nicht die Wahrheit, nicht das
Recht. Er überantwortet Jesus dem Tod und schenkt neues Leben. Er
begräbt die Hoffnung und gibt ihr so neue Nahrung. Die Totengräber werden
zu Geburtshelfern wider Willen. Die Handlanger des Todes reichen dem
Leben unwissentlich die Hand. Womit durch das Todesurteil Schluss sein
sollte, das fängt Ostern an. Der, der seine Hände meint, in Unschuld
waschen zu können, senkt den Daumen. Geste der Herrscher. So etwas hatte
Pilatus noch nicht erlebt. Er kannte Gefangene, die um ihre Freiheit bettelten.
Doch Jesus tritt anders auf. Statt Unterwürfigkeit oder Zorn Ruhe und
Gelassenheit. „Bist du ein König?“, fragt Pilatus. Und fragt sich, warum er
fragt. Zusammenfassung der Anklage oder verborgene Sehnsucht nach
einem wahren Herrscher, der Tyrannei, Unrecht und Gewalt beendet? Doch
diese Sehnsucht ist gefährlich, wenn sich die eigene Stellung gerade darauf
stützt: Tyrannei, Unrecht, Gewalt. Die Sehnsucht muss zum Schweigen
gebracht werden und mit ihr der Mensch, der sie verkörpert: Daumen runter.

Wenn sie weiterlesen wollen, klicken Sie hier

­