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Liebe Pfarrgemeinde,

vor einigen Jahren durfte ich im Main Echo einen Impuls zu Pfingsten in der Rubrik "Kreuzwort" schreiben.

Da meine Gedanken von damals auch heute noch aktuell sind, veröffentliche ich diesen Impuls auf unserer Homepage:

 

G U T E R    G E I S T  -  U N G U T E R    G E I S T !

 

Heiliger Geist, was ist das nur?

Bei Geist denke ich an Gespenst, an Geisterbahn, an Schatten im dunklen Wald, ich denke an Weingeist und geistvolle Getränke, ich denke an den unruhigen Geist der Kinder, an den scharfen Geist der Denker, an geistloses oder geistvolles Reden, ich denke an Begeisterung beim Spiel und bei der Musik.

Aber Heiliger Geist?

Dass Gott Geist ist, kann ich noch irgendwie verstehen, nicht Körper, nicht Materie wie wir, ganz anders als wir, geheimnisvoll verborgen.

Auch dass Gottes Geist etwas mit Jesus zu tun hat, dass Jesus vom Geist erfüllt war und so mehr als nur Mensch, uns voraus, die Brücke zum Vater, auch das kann ich noch ahnen. Aber dass Gottes Geist etwas mit meinem Leben zu tun hat, in mir wirken soll, mich erfüllen soll - wie ist das nur möglich? Gottes Geist soll etwas mit unserem Leben zu tun haben, heißt es in diesen Zeilen, die ich in dem Buch mit dem bezeichnenden Titel "Wurzeln" gefunden habe. Davon merke ich leider oft sehr wenig. Vom Geist, der am Anfang beschrieben wurde, leider sehr viel mehr.

 

"Der Geist des Herrn durchweht die Welt, gewaltig und unbändig, wohin sein Feueratem fällt, wird Gottes Reich lebendig", so heißt es in einem Lied, das am Pfingstfest gesungen wird. Ich denke, dass es gerade in der Situation unseres Landes und der ganzen Welt gut wäre, wenn dieser Geist, dieser gute Geist wehen würde. Wehen in den Herzen der Menschen, angefangen bei den Politikern bis hin zu jedem von uns. Der gute Geist des Miteinanders und der Solidarität. Der Geist des Friedens und der Freude.

 

Leider herrscht ein anderer Geist in unserer Welt.

Der Geist der Unterdrückung und des Unfriedens.

Der Geist des Erfolges und der Gewinnmaximierung.

Der Geist, alle Möglichkeiten zu meinen Gunsten ausnutzen zu wollen, ohne Rücksicht auf den Mitmenschen.

Ich denke, jeder von uns sollte sich überprüfen, ob er diesen unguten Geist in sich trägt oder ob es nicht doch auch den guten Geist in unserem Leben gibt.

Diesen guten Geist sollten wir fördern und sollten ihm Nahrung geben.

Den Geist des Lebens und der Liebe. Den Geist, der uns antreibt Gutes zu tun.

Den Geist der Offenheit und der Mitmenschlichkeit.

Den Geist, der uns zeigt, wo Ungerechtigkeit und Unterdrückung auch in unserer Umgebung herrscht.

Den Geist, der uns antreibt, diese Ungerechtigkeiten beim Namen zu nennen und zu beseitigen.

Der Geist den uns Jesus vorstellt und den er uns an Pfingsten wieder neu schenken will, ist ein guter, ein liebender Geist.

Ein Geist, der Wärme in unsere oft so kalte Welt bringen will.

Liebe Leserinnen und Leser, Gottes Geist ist in jedem von uns und er hat etwas mit unserem Leben zu tun. Ich wünsche uns, dass wir dies spüren und dass sich dies auswirkt auf unseren Alltag. Ein geisterfülltes Pfingstfest wünscht Ihnen

Ihr Diakon 

Rudi Kraus

 

 

 Meditation zum Maienmonat


Immaculata MariaMaria,
so nennen wir dich beim Namen,
mit vielen Titeln ehren wir dich,
dein Gesicht ist ein Menschengesicht,
wie das Antlitz einer Mutter, einer Frau.
Fragend stehst du an deinem Weg
ohne Einsicht, was um dich geschieht,
voller Angst um dein Kind,
ohne zu verstehen, was mit deinem Sohn geschieht,
was dein Sohn tut.

Mit Ungewissheit über die Zukunft
gehst du seinen Weg mit.
Er spricht dir sein Wort zu,
damit du ihm trotz Tränen und Kummer
bis unters Kreuz folgen kannst.

Maria, das Leben deines Kindes ist bedroht.
Wo ist der Sinn, wo findest du Antwort?
Fragend und suchend bleibt sein Wort in dir
bis du erkennst, was nur das Herz erkennen kann.

Angst verwandelt sich in Freude.

Maria Maienkönigin in St. Nikolaus

Wir fürchten uns, Maria.
Fragen in Angst und Einsamkeit.
Nimm uns an der Hand, wenn wir schwach sind.
Zeig uns den Weg, eigene Grenzen zu überschreiten,
um JA zu sagen zu deinem Sohn.

Maria hat ihr Leben im Vertrauen auf Gott gelebt.
Ihr Leben zeigt uns, wie sie Gott erfahren hat.
Lassen wir uns von ihr an der Hand nehmen:

„Nichts braucht dich ängstigen,
nichts dich erschrecken,
Gott ist mit dir.
Weder Feuer noch Wasser,
weder Dunkel noch Verzweiflung können dir schaden,
so nahe ist dir das Wort seiner Liebe.
Er hält dich bewahrt in seines Herzens Geheimnis.
Er führt dich hinaus ins Weite,
weil er dich liebt.
Er hat dich gerufen bei deinem Namen.
Er hält seine Hand über dich.
Fürchte dich nicht,
er ist immer bei dir.
Er ist die Verheißung auf deinem Weg
und der Engel, der dich begleitet.
Er ist die Quelle deiner Lebensfreude
und das Vertrauen,
das in deinem Herzen wächst.
Er ist dein Anfang und deine Vollendung.“

Evangelium vom 24. April 2020 - Johannes 6,1–15

In jener Zeit ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt. Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder. Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe. Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben? Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll. Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm: Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele!
Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer. Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen.
Als die Menge satt war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brotstücke, damit nichts verdirbt. Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Stücken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren.
Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.

Impuls

Wahrscheinlich wäre der kleine Junge in der großen Masse von 5000 Männern gar nicht weiter aufgefallen. Eher untergegangen oder übersehen worden – wenn er nicht das Entscheidende dabeigehabt hätte: fünf Brote, zwei Fische. Genau die braucht es, damit Jesus das Wunder wirken und Menschen satt machen kann. Daher kann gelten: Jeder, auch noch der Kleinste und Geringste, kann seinen Beitrag für das Reich Gottes leisten und ist zu würdigen. Jeden und das, was jeder mitbringt, kann Gott verwenden für die Verkündigung seines Reiches. Das ist ein Gedanke, der mir sehr sympathisch ist bei all den vielen Rezepten und Strukturreformen in der Kirche – als Antwortversuche, wie die Glaubenskrise zu bewältigen ist. Hinter ihnen stehen oft kluge Denker und Strategen. Aber hat es bisher den Kirchen genutzt? Haben sich Menschen in Brand setzen lassen? Reich Gottes und damit Kirche ereignet sich dort, wo der Hunger der Menschen nach Liebe, Geborgenheit, Gesehenwerden und Anerkennung gestillt wird. Dafür muss man nicht erst auf neue Pastoralpläne warten, sondern das Reich Gottes geschieht – mitten im Alltag, auf unseren Plätzen und Straßen.

Gebet

Gott, oft sorgen Menschen sich um deine Kirche und fragen sich, wie denn ihr Weg in die Zukunft aussehen kann und ob Menschen in Zukunft noch glauben werden. Dir können wir vertrauen – du weißt schon längst, welchen Weg du mit deiner Kirche gehen möchtest. Lass uns keine Angst vor Veränderung oder neuen Wegen haben, sondern unseren Blick darauf richten, welchen Beitrag jede und jeder von uns für die Verkündigung deiner frohen Botschaft geben kann. Keine und keiner ist zu gering, einen Beitrag dafür zu bringen. Gib, dass wir uns gegenseitig ermutigen und aufbauen, und nicht nachlassen im Bemühen um Frieden, Gerechtigkeit und Liebe für jeden Menschen. Amen.

Segen

Gott, segne unsere Arbeit und unser Wirken.
Segne uns mit deinen Gaben,
die wir empfangen und weitergeben.
Füge alles zusammen, was jede und jeder Einzelne beiträgt,
damit wir als deine Kinder wahrgenommen werden
und deine Gnade und unser Tun dich preisen.

Amen.

Sie finden jeden Tag einen empfehlenswerten Impuls unter https://www.maria-laach.de/te-deum-heute/

Ich wünsche Ihnen und Euch eine gesegnete Zeit.

Ihr/Euer Diakon Rudi Kraus

Pandemie – Cést La Vie

 Covid 19, man glaubt es kaum

Hält die ganze Welt in Zaum.

Schert sich nicht um Grenzen, Menschen und Land,

hat scheinbar die ganze Welt in gnadenloser Hand.

Führt uns vor, wie klein wir wirklich sind,

ob arm, ob reich, ob erwachsen oder Kind.

Kindergarten, Schule und die Firma zu,

ergibt an manchem Ort gespenstische Ruh.

Ausgangsbeschränkung und Kontaktverbot

Bringen mit sich manch seelische Not

Und wir können überhaupt nicht mehr verhehlen,

wie sehr uns unsre gewohnten Freiheiten fehlen.

Unmöglich geworden ist ein spontaner Besuch,

Ersatz bringt das Lesen in einem schönen Buch.

Entfallen müssen Gottesdienste, Trauungen, Taufen,

Beerdigung im kleinsten Kreis, zum Haare raufen.

Gestrichen sind auch Feste, Spiel und Sport,

das Umfeld wird zu einem verwandelten Ort.

Doch es gibt viele Lichtblicke, mitten in all den Krisen,

lassen als Hoffnungszeichen den Alltag nicht vermiesen.

Nachbarschaftshilfe, Einkaufsdienst, Newsletter, Brief,

vertreiben zu viel Grübeln und suhlen in altem Mief.

Eine kleine Kerze am Fenster, ein vertrautes Gebet,

jeden Abend aus unzähligen Zimmern zum Herrgott hin weht.

Nachmittäglicher Rosenkranz, Kreuzweg und Morgengesang,

entfalten im Kleinen einen herrlichen und himmlischen Klang.

Es braucht nicht immer Zeichen weltlicher, kirchlicher Macht,

wenn Herzen entflammen, wird wertlos Prunk und Pracht.

Aktienfonds, Spekulanten, Großkonzerne, da üb ich gerne Verzicht,

Investoren und großspurige Machthaber, die brauche ich nicht.

Pflegeberuf, Einzelhandel, Reinigungspersonal, Handwerk, Polizei, Bauer

selbstloses Engagement und lokales Ehrenamt überwindet jede Mauer.

Jeder kann ein Zeichen der Hoffnung sein,

fühlt er sich auch noch so schwach und klein.

Im Vertrauen auf unsern Herrn und Gott

bekommen wir den Alltag wieder flott.

Ich freue mich schon auf den Tag,

wenn ich Sie wiederzusehen vermag.

Bleiben Sie gesund und munter

dann wird das Leben wieder bunter.

Wir kommen bald wieder zusammen in Jesu Namen,

drum sind die gereimten Verse zu Ende jetzt. Amen.

                    von Reinhold Deboy, Diakon in Aschaffenburg „Herz Jesu“

" Fassen wir uns ein Herz..."

Impuls_Pfr._Bauer_am_23._April_2020.pdf

Liebe Pfarrgemeinde,

in diesen oft einsamen, sehr beschränkten, mitunter recht trostlosen Tagen kommt mir jenes alte Paar wieder in den Sinn, bei dem ich 1993 in Mosel/Zwickau in ihrem schlichten Häuschen eine zeitlang zu Gast gewesen bin. Es waren gute Leute. Beim freundlich bereiteten Frühstück lernten wir uns kennen. Ob ich christlich sei?, fragten sie nach einiger Zeit. Ich sei nicht so auf meinen Vorteil aus, ich wolle sie nicht - wie viele andere - um ihr bisschen Einkommen betrügen.

Ich war gerührt und erstaunt und ein wenig erschrocken. Wie gierig die einen, wie freundlich die anderen sind! Es war sehr ermutigend, damals in sehr ungewisser Zeit, Menschen zu begegnen, die schlicht und einfach „christlich“ sind. Diese Begegnung ist für mich sehr erhellend gewesen, und die beiden Alten schienen, als wir uns zu erkennen gaben, merkwürdig wissend zu lächeln. Man denke nur: Welche Entbehrungen mussten sie seit Jahrzehnten um des Glauben willen auf sich nehmen! Der dortige Bischof hat uns später immer wieder auf das gelebte Glaubenszeugnis solcher Christen mahnend und ermutigend hingewiesen. Denn vieles, was wir so als kirchliches Leben gewohnt sind, werde sich nach und nach, oder plötzlich, wie jetzt in dieser Krisenzeit, unwiderbringlich verlieren.

Wir können seit ewigen Zeiten Ostern dieses Jahr nicht in gewohnter Weise feiern. Welch ein Schock für die einen, welch eine Enttäuschung für andere, dass viele so gleichgültig sind. Man könnte resignieren. Es gilt, wie Sabine Naegeli, die bekannte Trauerbegleiterin meinte, die Gefährdung zu überwinden. Man denke nur: wie lange konnten die Beiden aus Mosel wohl nicht Ostern feiern, so wie wir es gewohnt sind. Aber es gelang ihnen, gerade so den Glauben zu leben! Es war sehr ermutigend, damals in sehr ungewisser Zeit, Menschen zu begegnen, die schlicht und einfach „christlich“ sind.

 

 Emmausgang

Ich wünsche Ihnen und uns allen von Herzen ein gesegnetes Osterfest 2020, das geprägt ist vor allem von einem ermutigenden österlichen Glauben!

                Ihr Pfarrer

                                                                           Alfred Bauer

Die Gefährdung überwinden

 

Teuflische Versuchung

die Hoffnung

zu Grabe zu tragen

ihr Sterben zu wollen,

Auferstehung

nicht zuzulassen.

 

Teuflische Versuchung,

liegenzubleiben,

das Weitergehen

zu verweigern,

die Verzweiflung

festzuhalten.

Teuflische Versuchung,

die Zerstörung zu lieben,

den Tod

zum Freund

zu machen,

zu fliehen

vor dem,

der dein Leben will.

Aber die Hand dessen,

der widerstand,

ist ausgestreckt.

                  Sabine Naegeli

Wortlaut: Papstpredigt beim Gebet in der Pandemie

 Wir dokumentieren hier im Wortlaut die Predigt, die Papst Franziskus am Freitagabend, den 27. März, bei einem Gebetsmoment am Petersdom in Rom gehalten hat. Franziskus hielt die Feier, die mit einem außerordentlichen Segen „Urbi et Orbi“ endete, als Zeichen der Hoffnung inmitten der globalen Corona-Pandemie.

 Aus dem Evangelium nach Markus (Der Sturm auf dem See: Mk 4,35-41)

 Am Abend dieses Tages sagte Jesus zu ihnen:

Wir wollen ans andere Ufer hinüber fahren.

Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot,

in dem er saß, weg; einige andere Boote begleiteten ihn.

Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm,

und die Wellen schlugen in das Boot,

sodass es sich mit Wasser zu füllen begann.

Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief.

Sie weckten ihn und riefen:

Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?

Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See:

Schweig, sei still!

Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein.

Er sagte zu ihnen:

Warum habt ihr solche Angst?

Habt ihr noch keinen Glauben?

Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander:

Was ist das für ein Mensch,

dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?

 

»Am Abend dieses Tages« (Mk 4.35). So beginnt das eben gehörte Evangelium. Seit Wochen scheint es, als sei es Abend geworden. Tiefe Finsternis hat sich auf unsere Plätze, Straßen und Städte gelegt; sie hat sich unseres Lebens bemächtigt und alles mit einer ohrenbetäubenden Stille und einer trostlosen Leere erfüllt, die alles im Vorbeigehen lähmt: Es liegt in der Luft, man bemerkt es an den Gesten, die Blicke sagen es. Wir sind verängstigt und fühlen uns verloren. Wie die Jünger des Evangeliums wurden wir von einem unerwarteten heftigen Sturm überrascht. Uns wurde klar, dass wir alle im selben Boot sitzen, alle schwach und orientierungslos sind, aber zugleich wichtig und notwendig, denn alle sind wir dazu aufgerufen, gemeinsam zu rudern, alle müssen wir uns gegenseitig beistehen. Auf diesem Boot ... befinden wir uns alle. Wie die Jünger, die wie aus einem Munde angsterfüllt rufen: »Wir gehen zugrunde« (vgl. V. 38), so haben auch wir erkannt, dass wir nicht jeder für sich, sondern nur gemeinsam vorankommen.

Leicht finden wir uns selbst in dieser Geschichte wieder. Schwieriger ist es da schon, das Verhalten Jesu zu verstehen. Während die Jünger natürlich alarmiert und verzweifelt sind, befindet er sich am Heck, in dem Teil des Bootes, der zuerst untergeht. Und was macht er? Trotz aller Aufregung schläft er friedlich, ganz im Vertrauen auf den Vater – es ist das einzige Mal im Evangelium, dass wir Jesus schlafen sehen. Als er dann aufgeweckt wird und Wind und Wasser beruhigt hat, wendet er sich vorwurfsvoll an die Jünger: »Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?« (V. 40).

Versuchen wir zu verstehen. Worin besteht der Glaubensmangel der Jünger, der im Kontrast steht zum Vertrauen Jesu? Sie hatten nicht aufgehört, an ihn zu glauben, sie flehen ihn ja an. Aber schauen wir, wie sie ihn anrufen: »Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?« (V. 38). Kümmert es dich nicht: Sie denken, dass Jesus sich nicht für sie interessiert, dass er sich nicht um sie kümmert.

Im zwischenmenschlichen Bereich, in unseren Familien, ist es eine der Erfahrungen, die am meisten weh tun, wenn einer zum anderen sagt: „Bin ich dir egal?“ Das ist ein Satz, der schmerzt und unser Herz in Wallung bringt. Das wird auch Jesus erschüttert haben. Denn niemand sorgt sich mehr um uns als er. In der Tat, als sie ihn rufen, rettet er seine mutlosen Jünger.

Der Sturm legt unsere Verwundbarkeit bloß und deckt jene falschen und unnötigen Gewissheiten auf, auf die wir bei unseren Plänen, Projekten, Gewohnheiten und Prioritäten gebaut haben. Er macht sichtbar, wie wir die Dinge vernachlässigt und aufgegeben haben, die unser Leben und unsere Gemeinschaft nähren, erhalten und stark machen. Der Sturm entlarvt all unsere Vorhaben, was die Seele unserer Völker ernährt hat, „wegzupacken“ und zu vergessen; all die Betäubungsversuche mit scheinbar „heilbringenden“ Angewohnheiten, die jedoch nicht in der Lage sind, sich auf unsere Wurzeln zu berufen und die Erinnerung unserer älteren Generation wachzurufen, und uns so der Immunität berauben, die notwendig ist, um den Schwierigkeiten zu trotzen.

Mit dem Sturm sind auch die stereotypen Masken gefallen, mit denen wir unser „Ego“ in ständiger Sorge um unser eigenes Image verkleidet haben; und es wurde wieder einmal jene (gesegnete) gemeinsame Zugehörigkeit offenbar, der wir uns nicht entziehen können, dass wir nämlich alle Brüder und Schwestern sind.

 »Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?«

Herr, dein Wort heute Abend trifft und betrifft uns alle. In unserer Welt, die du noch mehr liebst als wir, sind wir mit voller Geschwindigkeit weiter gerast und hatten dabei das Gefühl, stark zu sein und alles zu vermögen. In unserer Gewinnsucht haben wir uns ganz von den materiellen Dingen in Anspruch nehmen lassen und von der Eile betäuben lassen. Wir haben vor deinen Mahnrufen nicht angehalten, wir haben uns von Kriegen und weltweiter Ungerechtigkeit nicht aufrütteln lassen, wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unseres schwer kranken Planeten gehört. Wir haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden.

Jetzt, auf dem stürmischen Meer, bitten wir dich: „Wach auf, Herr!“

»Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?«

Herr, du appellierst an uns, du appellierst an den Glauben. Nicht nur an den Glauben, dass es dich gibt, sondern an den Glauben, der uns vertrauensvoll zu dir kommen lässt. In dieser Fastenzeit erklingt dein eindringlicher Aufruf: »Kehrt um« (Mk 1,15); »kehrt um zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, Weinen und Klagen« (Joël 2,12). Du rufst uns auf, diese Zeit der Prüfung als eine Zeit der Entscheidung zu nutzen. Es ist nicht die Zeit deines Urteils, sondern unseres Urteils: die Zeit zu entscheiden, was wirklich zählt und was vergänglich ist, die Zeit, das Notwendige von dem zu unterscheiden, was nicht notwendig ist. Es ist die Zeit, den Kurs des Lebens wieder neu auf dich, Herr, und auf die Mitmenschen auszurichten. Und dabei können wir auf das Beispiel so vieler Weggefährten schauen, die in Situationen der Angst mit der Hingabe ihres Lebens reagiert haben. Es ist das Wirken des Heiligen Geistes, das in mutige und großzügige Hingabe gegossen und geformt wird. Es ist das Leben aus dem Heiligen Geist, das in der Lage ist, zu befreien, wertzuschätzen und zu zeigen, wie unser Leben von gewöhnlichen Menschen – die gewöhnlich vergessen werden – gestaltet und erhalten wird, die weder in den Schlagzeilen der Zeitungen und Zeitschriften noch sonst im Rampenlicht der neuesten Show stehen, die aber heute zweifellos eine bedeutende Seite unserer Geschichte schreiben: Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger, Supermarktangestellte, Reinigungspersonal, Betreuungskräfte, Transporteure, Ordnungskräfte, ehrenamtliche Helfer, Priester, Ordensleute und viele, ja viele andere, die verstanden haben, dass niemand sich allein rettet. Angesichts des Leidens, an dem die wahre Entwicklung unserer Völker gemessen wird, entdecken und erleben wir das Hohepriesterliche Gebet Jesu: »Alle sollen eins sein« (Joh 17,21).

Wie viele Menschen üben sich jeden Tag in Geduld und flößen Hoffnung ein und sind darauf bedacht, keine Panik zu verbreiten, sondern Mitverantwortung zu fördern. Wie viele Väter, Mütter, Großväter und Großmütter, Lehrerinnen und Lehrer zeigen unseren Kindern mit kleinen und alltäglichen Gesten, wie sie einer Krise begegnen und sie durchstehen können, indem sie ihre Gewohnheiten anpassen, den Blick aufrichten und zum Gebet anregen. Wie viele Menschen beten für das Wohl aller, spenden und setzen sich dafür ein. Gebet und stiller Dienst – das sind unsere siegreichen Waffen.

»Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?«

Der Anfang des Glaubens ist das Wissen, dass wir erlösungs-bedürftig sind. Wir sind nicht unabhängig, allein gehen wir unter. Wir brauchen den Herrn so wie die alten Seefahrer die Sterne. Laden wir Jesus in die Boote unseres Lebens ein. Übergeben wir ihm unsere Ängste, damit er sie überwinde. Wie die Jünger werden wir erleben, dass wir mit ihm an Bord keinen Schiffbruch erleiden. Denn das ist Gottes Stärke: alles, was uns widerfährt, zum Guten zu wenden, auch die schlechten Dinge. Er bringt Ruhe in unsere Stürme, denn mit Gott geht das Leben nie zugrunde.

Der Herr fordert uns heraus, und inmitten des Sturms lädt er uns ein, Solidarität und Hoffnung zu wecken und zu aktivieren, die diesen Stunden, in denen alles unterzugehen scheint, Festigkeit, Halt und Sinn geben. Der Herr erwacht, um unseren Osterglauben zu wecken und wiederzubeleben. Wir haben einen Anker: durch sein Kreuz sind wir gerettet. Wir haben ein Ruder: durch sein Kreuz wurden wir freigekauft. Wir haben Hoffnung: durch sein Kreuz sind wir geheilt und umarmt worden, damit nichts und niemand uns von seiner erlösenden Liebe trennen kann. Inmitten der Isolation, in der wir unter einem Mangel an Zuneigung und Begegnungen leiden und den Mangel an vielen Dingen erleben, lasst uns erneut die Botschaft hören, die uns rettet: Er ist auferstanden und lebt unter uns. Der Herr ruft uns von seinem Kreuz aus auf, das Leben, das uns erwartet, wieder zu entdecken, auf die zu schauen, die uns brauchen, und die Gnade, die in uns wohnt, zu stärken, zu erkennen und zu ermutigen. Löschen wir die kleine Flamme nicht aus (vgl. Jes 42,3), die niemals erlischt, und tun wir alles, dass sie die Hoffnung wieder entfacht.

Das eigene Kreuz anzunehmen bedeutet, den Mut zu finden, alle Widrigkeiten der Gegenwart anzunehmen und für einen Augenblick unser Lechzen nach Allmacht und Besitz aufzugeben, um der Kreativität Raum zu geben, die nur der Heilige Geist zu wecken vermag. Es bedeutet, den Mut zu finden, Räume zu öffnen, in denen sich alle berufen fühlen, und neue Formen der Gastfreundschaft, Brüderlichkeit und Solidarität zuzulassen. Durch sein Kreuz sind wir gerettet, damit wir die Hoffnung annehmen und zulassen, dass sie alle möglichen Maßnahmen und Wege stärkt und unterstützt, die uns helfen können, uns selbst und andere zu beschützen. Den Herrn umarmen, um die Hoffnung zu umarmen – das ist die Stärke des Glaubens, der uns von der Angst befreit und uns Hoffnung gibt.

»Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?«

Liebe Brüder und Schwestern, von diesem Ort aus, der vom felsenfesten Glauben Petri erzählt, möchte ich heute Abend euch alle dem Herrn anvertrauen und die Muttergottes um ihre Fürsprache bitten, die das Heil des Volkes Gottes und der Meerstern auf stürmischer See ist. Von diesen Kolonnaden aus, die Rom und die Welt umarmen, komme der Segen Gottes wie eine tröstende Umarmung auf euch herab. Herr, segne die Welt, schenke Gesundheit den Körpern und den Herzen Trost. Du möchtest, dass wir keine Angst haben; doch unser Glaube ist schwach und wir fürchten uns. Du aber, Herr, überlass uns nicht den Stürmen. Sag zu uns noch einmal: »Fürchtet euch nicht« (Mt 28,5). Und wir werfen zusammen mit Petrus „alle unsere Sorge auf dich, denn du kümmerst dich um uns“ (vgl. 1 Petr 5,7).

 

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